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Piccolo Master



von Ansgar Nake


Die "Stomvi" Piccolo Master Titanium

Spanien hat keine bedeutende Tradition, wenn es um Blechblasinstrumente geht. Um so erstaunlicher ist es, dass die Trompeten der Marke Stomvi von Anfang an bei professionellen Musikern einen besonderen Ruf genossen. Das lag zum einen an dem besonderen Design der Instrumente, zum anderen aber auch an ihrem besonderen Klang-Charakter und an ihrem unkomplizierten Verhalten bei Problemtönen.

Vor 17 Jahren fing man in einem überschaubaren Betrieb bei Valencia an, professionelle Trompeten zu bauen. Nebenbei entwickelte man ein spezielles Mundstückkonzept (Rand, Kessel und Schaft beliebig kombinierbar), um dem Trompeter größtmögliche Auswahl zu bieten. Am Anfang gab es nur B- und C-Trompeten der Serie „Elite“ sowie ein Flügelhorn. Inzwischen hat sich die Modellpalette stark erweitert, von der Schülertrompete (z.B. E/F/G-Trompeten mit Wechselschallstücken) ist alles vorhanden.

Stomvi-Trompeten mit wechselbaren Schallstücken unterscheiden sich optisch stark von der Konkurrenz. Die Becher werden hier nämlich nicht komplett von der Maschine abgenommen (wie z.B. bei Schilke). Lediglich ein Teil des Schallbechers (vom Schallrand bis zum zweiten Ventil) wird an den Korpus angeschraubt. Mit Hilfe eines Gewinderings ähnlich wie beim Waldhorn (nur längst nicht so klobig!) kann man dann ganz schnell und unkompliziert sein Instrument neu bestücken. Klanglich scheint diese Konstruktion offensichtlich einiges zu bewirken; besonders die Spezial-Trompete (von C bis Hoch-B) stehen inzwischen bei Profis hoch im Kurs. Werfen wir also einen Blick auf die Piccolotrompete der „Meister“-Serie.

Das Instrument

Vor mir liegt ein silberner Vier-Zylinder und zwei Schallstücke: ein vergoldetes und eines aus Sterling-Silber. Fangen wir an mit dem vergoldeten Messingbecher. Die Verbindung klappt perfekt, das Gewinde fasst genau richtig, man kann hier gar nicht verkannten und schief zusammensetzen. Bündig mit der Zwinge sitzt das Schallstück an. Von der Mundrohrseite betrachtet kann man sie doch mit der Schilke P5-4 verwechseln: der auch hier typische Verlauf des Mundrohres vom Mundstück über das erste Ventil bis in die Maschine (im unteren Teil von Ventil 4) – diese Konstruktion hat sich im Lauf der Jahre für die Piccolo einfach als Beste erwiesen.

Dann können wir auch gleich noch einen Blick auf die gesamte Verarbeitung der Stomvi werfen. Ich sehe zunächst den versilberten Korpus (mit dem vergoldeten Messingbecher): 24 Karat Starkvergoldung, resistent gegen fast jeden Angriff und auch nach Jahren noch wunderschön. Alle Lötstellen und die Politur sind ohne jeden Tadel exakt ausgeführt, die Maschine (natürliche Monelventile) läuft mir eine Idee zu stramm. Das ist aber Geschmackssache.

Auffällig ist die Wasserklappe am 3. und 4. Ventilzug. Das ist nämlich keine Klappe, sondern ein Zylinder, an dessen Ende ein kleiner Deckel sitzt. Diesen kann man ohne Probleme abschrauben. Heraus fällt dann eine Feder und der Stift, der das Wasserloch abdichtet. Beide absolut rostfrei. Es scheint, als hätten sich die Leute bei Stomvi auch bei den kleinen Dingen Gedanken macht.

Ich wechsle mal auf Sterling-Silber. Dieser Becher macht optisch natürlich einen ganz anderen Charakter. Und das Instrument etwas schwerer. Der Becher ist komplett klarlackiert (Anlaufen des Silbers ausgeschlossen), die Schraubzwinge am Becherende ist vergoldet und passt ebenfalls perfekt in der Verbindung. Bevor es jetzt endlich losgeht, hier noch schnell die üblichen Daten: Piccolo vierventilig, Korpus versilbert, drei wechselbare Becher (Durchmesser 100 mm), Bohrung 11,36 mm, Mundrohrstifte lieferbar für Kornett- oder Trompetenschaft. Und jetzt geht’s ab.

Schallstücke und Mundrohre

Warum muss es jetzt wieder um Schallstücke und Mundrohre gehen?
Weil die bei diesem Instrument ganz eindeutig den Sound und die Ansprache bestimmen. Und sagen wir es gleich vorweg: den Messingbecher hab’ ich ganz schnell wieder in die Kiste gelegt, weil man den Sound nur mit „ich weiß nicht“ bezeichnen kann. Mit diesem Becher war’s zwar ok, das besondere Erlebnis aber, das die Stomvi zum Meister machen soll, blieb aus. Eine ganz gute Piccolo eben, mehr nicht.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht dann der Silberbecher. Unglaublich leichte Ansprache, fast wie bei der großen Trompete und vollkommen und ausgeglichene Intonation. Spezialmundstücke mit extra flachen Kesseln oder besonders konstruierten Bachbores: vergesst es! Einfach das normale Mundstück aufstecken und loslegen. Mit diesem Becher setzt sich die Stomvi immer durch, in jedem Orchester und bestimmt gegen sehr viele Konkurrenten. Der Sound ist kraftvoll und klingt nie gequetscht, bis in die höchsten Lagen der gleiche ausgeglichene Klang.

Die Angst vor der Piccolo: Mit der "Stomvi" und diesem Becher wird die Therapie auf jeden Fall erfolgreich verlaufen und der Patient als geheilt entlassen werden.

Ein Satz zu den Mundrohr- Stiften

Es gibt sie wahlweise für den Kornett- (kleinen) und den Trompeten-(großen) Schaft. Und davon jeweils zwei (einen kurzen für die B- und einen langen für die A- Stimmung).

Vom Verlauf her scheint der Stift mit dem kleinen Innendurchmesser für die Piccolotrompete geeigneter. Denn das Maß eines Piccolo- Mundrohrs ist kleiner als das einer großen Trompete, der Verlauf der Luftsäule wir also bereits durch das Kornett- Mundstück auf „Piccolo-Größe“ gebracht. Theoretisch könnte sich daher in der Intonation beim Gebrauch der „großen“ Mundstücke ein Nachteil ergeben. Das ist jedoch blanke Theorie. Die großen Stifte bieten zwei entscheidende Vorteile: man spielt auf vertrauten Mundstücken und der Blaswiederstand wird leichter verringert. Wir haben während unsres Tests mit diversen professionellen Trompeten beim Thema „Intonation“ kaum einen Unterschied zwischen kleinen und großen Stiften feststellen können. Die meisten kamen mit den großen insgesamt sogar besser zurecht.

Bewertung

Ein unglaubliches Instrument – und leider noch viel zu unbekannt. Die Stomvi Master ist wirklich der Meister in seiner Kategorie. Die Möglichkeit, die durch den Schallstückwechsel entstehen, sind einfach phänomenal und unglaublich.

Die Intonation bei unserem Instrument war ohne jede Schwäche, der Sound immer kraftvoll in den Bechern perfekt jeder Situation anzupassen. Alle, die den Meister probierten, waren begeistert.

Da wird es Manchem in Zukunft sicher leichter fallen, auf Altbewährtes zu verzichten und Neues zu probieren.


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