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Spanische Elite!



Der Name “Stomvi” schwirrt schon seit Jahrzehnten im professionellen Trompetenraum umher. Besonders die Instrumente für Spezialisten (D/Es und Hoch A/B) sorgen immer wieder für Begeisterung. Als “normale” B-Trompete führt da die ‚Elite' ein eher unscheinbares Leben. Seit über 20 Jahren ist sie das Standard-Instrument in der professionellen Stomvi-Produktpalette. Hält das Instrument, was ihr Name verspricht?

von Ansgar Nake

Nur nicht auffallen!

Der erste Auftritt der Spanierin vollzieht sich ganz unspektakulär. Leichtkoffer mit Stomvi-Aufnähern außen und innen, schwarz, ohne Rucksackgarnitur, aber mit guter Passform. Das versilberte Instrument glänzt mich an, schöne Aussichten! Ich sehe ein großes Fach für Zubehör und zwei Platzhalter für Mundstücke. In einem steckt das 3C, das vom Design dem Bach ‚Megatone' angeglichen ist. Ich mag sie immer noch nicht, diese Zugaben, die seit Urzeiten auch bei professionellen Marken auf der Habenseite stehen. Was soll das? Kann der professionelle Bläser nicht selber entscheiden, was gut für ihn ist? Leider beantwortet man auch bei Stomvi diese Frage mit ‚Nein'.

Dennoch kann der spanische Hersteller bei diesem Thema auch Akzente setzen: Durchaus sinnvoll ist ein komplettes Set-up-Paket für die Ventile (Dämpfergummis für Außen und Innen sowie Ventilfedern)  das habe ich bisher bei keinem anderen Hersteller gesehen. Hier ist man als professioneller Bläser auf jeden Fall immer auf der sicheren Seite. Das gilt im Übrigen auch - ich gehe ins Detail - für die Wasserklappen. Endlich Druckwasserklappen (Ersatzfedern inklusive!) mit Schraubdeckel im ‚Riedl'-Design, die über Jahre problemlos funktionieren. Erst heute habe ich wieder eine Amadoklappe demontieren müssen: Der Sprengring brach, die Reste von ihm steckten dann in der Nut fest und wollten nicht heraus... schreckliche Fummelei “Made in USA”. Das darf nicht sein und muss geändert werden - unspektakulär haben es die Spanier einfach gemacht und fahren seit Jahrzehnten sehr gut damit. Und die Benutzer auch.

Nur nicht auffallen - die “Elite” glänzt durch beste Verarbeitung, die jeder Kritik Stand hält. Und stolz trägt sie ihr luftiges Design zur Schau. Nicht amerikanisch, sondern viel leichter und unverkrampfter, nicht deutsch, sondern japanischer, doch auch nicht japanisch durchgestylt - eben spanisch. Und genau so sieht sie aus: Aufregend und unauffällig zugleich, perfekt verarbeitet und kleine Schmankerl (vergoldete Deckel, Drücker und Teile der Wasserklappen) als erste Augenweide.

Das macht natürlich Lust auf mehr und man sieht da gerne mal genauer hin. Perfektion bis ins Detail: Lötstellen sehr gut, Polierarbeiten einfach glänzend, traumhafte Ventilmaschine mit leichtem Widerstand, den der Profi gerne mag, Stützen und Teile der Maschinenbüchsen fast im Industriedesign und dennoch leicht und locker eingefügt - auffallend unauffällig. Das sieht man selten und gibt es doch schon so viele Jahre. Doch wer kennt Stomvi? Liebe Leserinnen und Leser, sie erleben jetzt eine Trompete, die es schon seit über 20 Jahren gibt und die fast keiner kennt! Ich habe heute für Sie das Modell 330 mit langem Mundrohr, Monel-ventilen, Messingschallbecher und ML-Bohrung herausgesucht. Natürlich versilbert  und dennoch waren nur es nur Wenige, die sie in ihrer Laufbahn je gespielt haben! Wollen alle nur Bach, Schilke, Yamaha, Calicchio, Getzen, Kanstul, Kühnl & Hoyer oder Meister Anton? Wo bleibt Stomvi und wer ist eigentlich Stomvi?

Spanisches Silber

Wenn Sie sonic-Leser von Anfang an sind, dann dürfen Sie sich jetzt zurücklehnen, denn Sie wissen Bescheid. Aber man erzählt sie immer wieder gerne, die Geschichte der Gebrüder Honorato aus Valencia, die in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts eine Firma gründeten, um Trompeten und Flügelhörner zu bauen.

Als Ingeneure brachten sie zwar das notwendige technische Verständnis mit, hatten vom Metallblasinstrumentenbau praktisch jedoch wenig Ahnung. “Das kann doch nicht funktionieren” hörten sie damals mehr als einmal - heute sind die Kritiker verstummt. Waren es am Anfang die ‚Elite'-Modelle (B- und C-Trompeten sowie ein Flügelhorn), ist die Palette im Laufe der Jahre stetig angewachsen. Stomvi fertigt heute für jeden Geschmack und Geldbeutel das entsprechende Instrument. Dass sich die Spanier weiterhin ‚nur' auf Trompeten, Flügelhörner und Kornette konzen-trieren, muss hier wohl nicht besonders herausgestellt werden. In diesem Bereich haben sie Erfahrung und Renommee -  die Namen “Forte”, “Elite” und “Master” bürgen für professionelle Qualität.

Wir gehen “back to the roots”: Das “Elite”-Modell war das erste Aushängeschild der Marke und darf den Mitbewerbern jetzt noch einmal zeigen, zu was man in Spanien fähig ist. Zufällig hielt sich in der Werkstatt zum Pit Stop eine ältere Schwester unserer Spanierin auf: Das gleiche Modell in traditioneller Bauweise (”Elite” 250), leicht gezeichnet von den vielen Einsätzen auf den Bühnen dieser Welt. Sie wurde natürlich auch gleich eingeladen, ihr Können zu demonstrieren.

Stomvi-Instrumente sind ausschließlich in versilberter Ausführung erhältlich. Durch spezielle Beimengungen erscheint die Oberfläche zunächst besonders glänzend, was sich nach einiger Zeit der Oxidation jedoch relativiert. Vergoldete Anbauteile gibt's heute auch bei anderen Fabrikaten, bedeuten sie doch für das Instrument eine zusätzliche optische Aufwertung - ein Aushängeschild der spanischen Marke ist in jedem Fall die Ventilmaschine. Das durfte ich im Test des Piccolo-Modells ‚Master' vor sechs Jahren herausstellen und wurde neulich auch im Clarino-Bericht von Marcus Graf angemerkt. Natürlich gibt es viele gute Ventilmaschinen und Probleme damit haben inzwischen fast nur noch die Billigheimer. Im obersten Segment wird die Luft dann aber trotzdem recht dünn und die Hersteller müssen den unterschiedlichsten Anforderungen der Profis Rechnung tragen. Nach wie vor fällt hier an vorderster Front der Name Bauerfeind, aber direkt daneben kann sich die Stomvi-Maschine behaupten. Das gilt im Übrigen auch für die Pumpen der alten ‚250', die im Laufe von über 10 Jahren professionellem Gebrauchs von ihrer Anfangsqualität zwar etwas eingebüßt haben, mit dem richtigen Öl jedoch immer noch als Stomvi-Produkt zu erkennen sind.

Doch sprechen wir über die ‚330'. Bei diesem Modell darf man ruhig kleinlich sein - es hält auch dem kritischsten Betrachter stand. Hier passt alles perfekt, sieht super aus und glänzt mit eigenständigem Design. Das lange Mundrohr nimmt den oberen Stimmzug ohne jede Verspannung auf; er fügt sich satt in seine Position. Hier dürfte manch' anderer professioneller Herstellern gerne  mal Maß nehmen!

Fassen Sie ruhig mal kräftig zu, die verträgt das! Konstruktionsbedingt fehlt zwar die zweite lange Stütze im Hauptstimmzugbereich - man vermisst sie aber nicht. Die ‚330' wirkt solide und stabil, Grundlage für den professionellen Einsatz. Maßgeblich für den Charakter der Ansprache ist neben dem Reversed-Mundrohr der runde Hauptstimmbogen verantwortlich. Und ich darf es dem Ergebnis des Anblastests wohl jetzt schon vorwegnehmen: Hier hat die Spanierin eine ihrer großen Stärken. Das geht unglaublich leicht in die Höhe und ohne das vielfach gefürchtete ‚Brabbeln' in der tiefen Lage. Zentriert und klar, ohne Luftverlust und deutlich definiert. Gibt's von der technischen Seite sonst noch etwas zu vermelden? Ich stelle fest, dass bei der ‚Elite' in diesem Bereich keinerlei Schwachstellen erkennbar sind - deshalb können die Noten für Verarbeitung, Design und Handling nur ‚sehr gut' lauten. Und jetzt wird gespielt.

Ole, ole!

Manche Instrumentenhersteller denken sich für ihre Produkte tolle Namen aus, wo sich dann spätestens beim Anblastest Ernüchterung einstellt. Unsere ‚Elite 330' ist da ganz anders und trägt diesen Namen absolut zu Recht. Hier stimmt fast alles. Über die Intonation brauchen wir bei diesem Modell nicht zu diskutieren, denn sie ist in allen Lagen ohne Probleme. Das Thema Ansprache ist ebenfalls bereits ‚durch': Die ‚330' zeigt, dass sie es in dieser Disziplin noch besser kann als ihre zum Vergleich gespielte Schwester ‚250'. Die entwickelt, mit traditioneller Leadpipe ausgestattet, merkbar höheren Widerstand - nicht unangenehm für den, der es mag, aber wenn man sich's leicht machen kann...

Die ‚330' ist, als das erste Stomvi-Modell überhaupt, inzwischen sicherlich ein Klassiker. Für diesen Einsatzbereich kann man sie aber praktisch gar nicht gebrauchen. Hell und strahlend klingt sie, nicht schrill, aber deutlich präsent im mittleren und oberen Bereich. Da ist natürlich die Bigband oberster Dienstherr, egal, ob das Instrument in der Sektion oder als Leadtrompete eingesetzt wird. Solistisch kann die ‚330' zeigen, was sie drauf hat und wird, solide gespielt, immer begeistern. Natürlich gibt es Trompeten, die es noch besser können und die letzten Nuancen noch perfekter meistern - doch zu welchem Preis? Für 1.710,- EUR (das ist die unverbindliche Herstellerangabe; der Streetpreis wird sicher noch darunter liegen!) erhält man ein sehr gutes Instrument, das mit überdurchschnittlicher Qualität ausgestattet ist. Handwerklich und technisch ist die ‚330' auf höchstem Niveau, klanglich durch den etwas hellen Sound zwar leicht eingeschränkt, jedoch für viele Einsatzbereiche professionell nutzbar. Und falls jemand dann doch eher zur Klassik tendiert, bietet Stomvi andere Modelle in gleicher Qualität, die auch nicht zu verachten sind. Da könnte ich mir ja mal zu Testzwecken was kommen lassen - vielleicht für eine spätere Ausgabe...

 Pro & Contra
  +  fast Design-Optik
  +  professionelle Handwerksarbeit
  +  sehr guter Lead und Big-Band Sound
  +  angenehm leichte Ansprache
  +  sinnvolles Zubehör
   -  Koffer ohne Rucksackgarnitur


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