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Spanischer Glanz



Kann das gut gehen? Der spanische Hersteller Stomvi, der vor allem für seine Spezialtrompeten von professionellen Spielern geschätzt wird, versucht sich seit einigen Jahren auch mit Instrumenten im Schülerbereich. Da gibt es neben der "Zenith" auch die "Debut"; das Flagschiff in diesem Segment ist bei Stomvi aber auch weiterhin das "Forte"-Modell. Als Anwender werden Schüler, ambitionierte Amateure und Studenten ausgelobt, die sich von diesem Instrument inspirieren lassen sollen. Eine Schülertrompete für 1.000,- EUR - da dürfen die Ansprüche natürlich hochgesteckt sein.

von Ansgar Nake

Die Stomvi "Forte"

Made in Spain

Spanien ist nicht gerade das typische Herstellungsland für Trompeten; dennoch konnte sich Stomvi in den zwanzig Jahren seines Bestehens einen hervorragenden Ruf in diesem Bereich erarbeiten. Das gilt natürlich besonders für die Spezialtrompeten im hohen und höchsten Register. Piccolo-Trompeten der Masterserie mit schraubbaren Schallstücken, die auch in Holz erhältlich sind oder die hervorragende E/F/G-Trompete mit drei Schallstücken und neun Zugbögen zeugen von großem Know-how und hervorragender Handwerkskunst.

Die Modellphilosophie hat der spanische Hersteller von der japanischen Konkurrenz übernommen: Erst nach der Entwicklung der professionellen Instrumente kommen die Schülermodelle an die Reihe. Hier werden dann einige Bauteile und Konstruktionsmerkmale aus den Profi-Serien eingearbeitet. Das ist bei unserer "Forte" nicht anders. Die Ventilmaschine wurde ebenso von der "Elite"-Serie übernommen wie der runde Hauptstimmbogen und die Schallbechergröße von 124 mm. Ich sehe die Druckwasserklappe im typischen Stomvi-Design und vergoldete Schraubdeckel und Drücker - die gesamte Verarbeitung ist hervorragend gelungen. Doch fangen wir ganz vorne an.

Das Instrument

Die Stomvi "Forte" kommt gut geschützt daher - der zum Lieferumfang gehörende kleine schwarze Rechteckkoffer ist leicht, äußerst stabil und bietet mit seiner Rucksack-Garnitur guten Tragekomfort. In Aufmachung und Design erinnert er stark an das kleine "Tonart"-Bag, wobei die Spanier die Schallbecherform nicht extra ausgearbeitet haben, und das aufgenähte Zubehörfach über den ganzen Deckel verläuft. Mit etwas gutem Willen kann man hier auch DIN A4 Noten hineinbekommen. Als Zugaben finde ich zum einen das Mundstück 5C in der typischen Stomvi-Form (ähnlich wie Megatone von Bach, nur nicht ganz so dick), Öl, Stimmzugfett (!) und Pflegetuch. Außerdem gibt es bei Stomvi serienmäßig einen Satz leichtere Ventilfedern und Gummiringe für die inneren und äußeren Ventilanschläge. Selbst an die Ersatzfedern für die Druckwasserklappe haben die Spanier gedacht und sie ebenfalls dazugelegt. Die "Forte" glänzt mir nach dem Öffnen des Kofferdeckels entgegen. Versilbertes Instrument, vergoldete Kleinteile - nur diese Ausstattungsvariante ist von Stomvi lieferbar und beabsichtigt. Die bessere Haltbarkeit der Galvanik ist seit langem bekannt; das edlere Aussehen eines versilberten Instruments ist vielleicht Geschmacksache, aber letztlich ebenfalls unbestritten.

Professionell: Runder Stimmbogen

Die gesamte Verarbeitung ist hervorragend und ohne jeden Makel. Beste, saubere Lötstellen, perfekte Politur, schön verzierte Stützen und die aus der "Elite"-Reihe bekannte Mundstückzwinge - Kleinigkeiten zwar, die aus einem guten Instrument aber etwas Besonderes machen. Trotz großem Schallbecher ist das Instrument keineswegs unhandlich: Man greift an und fühlt sich sofort zuhause. Große, vergoldete Drücker (ohne Inlay), weit gebauter Fingerhaken, der auch für große vierte Finger nicht beengt, Sattel am ersten und Ring am dritten Zug richtig positioniert und ebenfalls groß gestaltet: Bequemlichkeit wird bei diesem Instrument groß geschrieben. Der Hauptstimmzug weist - ganz nach "Elite-Philosophie - nur eine Querstütze auf. Das spart Gewicht und lässt den Korpus freier schwingen. Bei der Druckwasserklappe geht man bei Stomvi kompromisslos eigene Wege. Feder und Kolben sind nicht (wie bei Amado) durch einen winzigen Deckel und Sprengring fixiert, sondern solide mit einem Schraubdeckel verschlossen. Da kann nichts rosten oder verloren gehen und die einwandfreie Funktion ist für viele Jahre garantiert.

Bevor die ersten Gehversuche auf der Monel-Maschine unternommen werden können, wechseln wir die Federn. Der mitgelieferte leichtere Satz ist eindeutig bequemer und ändert nichts an der Schnelligkeit der Ventile. Die laufen satt und schnell mit genau dosierbarem Druckpunkt - ein Genuss. Stomvi verwendet bei den Anschlägen keine Filze, sondern Gummis. Auch das hat sich bewährt. Während Filze schon nach kurzer Zeit zusammengedrückt werden und so das exakte Set-up in der Maschine verloren geht, dauert es hier Jahre, bis die Anschläge von Säure und Ölen zersetzt sind und ausgewechselt werden müssen. Bis dahin hat man die Ersatzgummis längst verloren… Kleinigkeiten sind noch zu besprechen: Die Mundstückzwinge ist sauber graviert, die Züge dichten hervorragend ab - und leider fehlt die Wasserklappe am dritten Zug. Der ist nämlich nicht als Wasserzug (wie bei Bach) konstruiert; zum Wasserlassen muss jedes Mal die Stopschraube gelöst werden. Hier sollte Stomvi in Zukunft einen weiteren Blick auf die "Elite" werfen und auch der kleinen Schwester dieses Bauteil spendieren.

Bis auf dieses Detail ist die Bewertung eindeutig. Der erste Gesamteindruck ordnet die "Forte" eher der professionellen Klasse denn der Schülerriege zu. Sie kann jederzeit bei der fernöstlichen Konkurrenz mithalten und ist dort ganz vorne dabei. Ausstattungsdetails (sehr gute Ventilmaschine, Druckwasserklappe, vergoldete Kleinteile) lassen sie hier sogar als Erste durchs Ziel gehen. Ob der Preis von 1.084,- EUR jedoch gerechtfertigt ist, muss jetzt der Anblastest entscheiden.

Funktionelle Druckwasserklappe

Eine Frage des Preises

Die Stomvi "Forte" hat eindeutig professionelles Niveau. Das gilt insbesondere für die unglaublich leichte Ansprache und die sehr saubere Intonation. Dieses Instrument ist für jeden Trompetenschüler, ob Anfänger oder Fortgeschrittenen, absolut geeignet. Schon die ersten Versuche können überzeugen: Die "Forte" bietet sehr wenig Blaswiderstand - das schafft selbst nicht die japanische Konkurrenz. Für fortgeschrittene Bläser ist dieser Charakterzug nicht immer ganz unproblematisch, denn greift man zwischendurch zu amerikanischen Instrumenten, tut man sich schwer. Man ist eben Stomvi gewöhnt. Das gilt in gewisser Weise auch für die Intonation: die "Forte" verzeiht viel und leistet sich praktisch keine Fehler. In allen Bereichen ist sie nahezu perfekt intoniert und gar manchem professionellen Horn deutlich überlegen. Das kennen wir ja bereits von den Stomvi-Spezialserien, die aufgrund ihrer perfekten Intonation von ihren Besitzern gerühmt werden.

Solider Fingerhaken und vergoldete Kleinteile

Bei der Bewertung des Klangs gehen die Meinungen deutlich auseinander. Welchen Sound muss eine "Schülertrompete" entwickeln? Ist der nicht in besonderem Maße vom Entwicklungsstand des Bläsers abhängig? Wie klingen die Konkurrenzmodelle? Zwar braucht sich auch in dieser Disziplin die "Forte" nicht zu verstecken, kann sich hier jedoch nicht überzeugend von den Mitbewerbern absetzen. Die Yamaha 4335 GS klingt ausgeglichener und etwas runder, obwohl sie über 200,- EUR weniger kostet. Ähnlich lautet das Urteil im direkten Vergleich mit dem Jupiter Modell 606. Auch hier bezahlt der Kunde deutlich weniger, bekommt jedoch einen volleren, weniger "blechernen" Klang. Liegt es am Goldmessing, das die Konkurrenz verbaut oder an der etwas anderen Konstruktion? Obwohl - nicht alle Tester würden die Soundqualitäten der Fernöstlichen Modelle dem "Forte"-Klang vorziehen. Wer es hell und strahlend mag und auch die Höhe deutlich heraushören will, sollte auch in dieser Disziplin auf die "Forte" setzen. Dann wird man von ihr nicht enttäuscht werden.

Fazit

Am Schluss muss die kritische Frage gestellt werden: Wie viel darf eine "Schülertrompete" kosten? Bei der "Forte" ist die 1.000,- Euro-Marke überschritten; da wird sie es bei allen Vorzügen auf dem hart umkämpften Schülertrompeten-Markt schwer haben. Erfahrungsgemäß spielt sich heute das "große Geschäft" in diesem Segment bei den genannten Modellen von Yamaha und Jupiter ab - da hat es schon B&S mit seiner 435 nicht leicht, Fuß zu fassen. Für die "Forte" spricht natürlich die exklusive Ausstattung, die sehr leichte Ansprache und die gute, unproblematische Intonation. Diese Qualitätsmerkmale haben einfach ihren Preis. Für Schüler und ambitionierte Amateure, die das Besondere suchen und die professionelle Ausstattung einer Trompete zu schätzen wissen, wird die "Forte" sicherlich erste Wahl sein - vorausgesetzt, das nötige Kleingeld ist vorhanden.


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